Meine Putzfrau

Jetzt ist es soweit. Ich bin endlich auf der bonzigen, sonnigen Seite des Lebens angekommen. Ich habe eine Putzfrau!

Nötig hat es meine Wohnung schon, allerdings war das gar nicht meine Entscheidung. Es war viel mehr das nett gemeinte Geburtstagsgeschenk von ein paar Freunden. Sogar mit Gedicht.


„Rosen sind rot,

Veilchen sind blau.

Du bist ‘ne alte Drecksau,

deshalb schenken wir dir eine Putzfrau.“


Auf der einen Seite: “ Hey, geil!“ – auf der anderen Seite: „War das Kritik an meinem Lebensstil?“

Tanja: „Welcher Lebensstil, Isa? Deine Wohnung ist einfach nur siffig, das kann man schwer als Lebensstil bezeichnen.“

Ich: „Aber…“

Tanja: „Ne, jetzt komm mir nicht mit deinem Künstlerscheiß, du bist einfach nur faul!“

Ich: „Ja, okay… aber seien wir mal ehrlich… es ist egal , ob man es macht oder nicht, denn es wird am Ende sowieso alles wieder unordentlich und dreckig. Es ist eine Arbeit, die nie erledigt ist. Während man in einer Ecke des Zimmers saugt, fällt der Staub auch schon wieder auf den Teil des Zimmers, in dem man gerade erst war.“

Tanja: „Deshalb muss man es ja regelmäßig machen.“

Ich: „Mach ich doch!“

Tanja: „Regelmäßig bedeutet nicht einmal im Jahr!“

Ich: „Tina, es geht hier auch um den rein logischen Standpunkt.

Wieso sollte ich beispielsweise zehn Minuten meiner Lebenszeit damit verschwenden, die Wäsche vom Ständer zu nehmen, sie zusammen zu legen und in einen Schrank einzusortieren, nur um sie dann von dort wieder herauszunehmen und sie anzuziehen. Ich lebe vom Wäscheständer, die moderne Fassung von der Hand in den Mund. Eine effiziente Eliminierung des Zwischenlagers.“

Tanja: „Wieviel Platz du in der Bude hättest, wenn dein Wäscheständer nicht immer im Weg rumstehen würde! Und übrigens, nicht jeder Besucher will direkt deine Unterwäsche sehen.“

Ich: „Das weißt du gar nicht und sie ist zumindest sauber und gewaschen.“

Tanja: „Mal abgesehen davon wäre es schön, wenn man auch mal wieder deinen Boden sehen würde.“

Ich: „Das Chaos hat System, Tina. Wichtige Dinge befinden sich auf dem Bett und dann in absteigender Priorität gegen den Uhrzeigersinn drumherum.“

Tanja: „Also ein Chaos -Tornado?“

Ich: „Putzen ist das halbe Leben, willkommen auf der anderen Hälfte!“

Tanja: „Naja, deine Putzfrau kommt am Samstag um 12 und macht deine Bude wieder bewohnbar, wenn sie nicht nach den ersten zwei Minuten schreiend wieder davon läuft. Und Abends kommen wir auf ein Bier vorbei, meinst du, dass du es schaffst, bis dahin durchzuhalten?“

Ich: „Ich werde mein Bestes geben.“

Tanja: „Fass einfach nichts an und beweg dich möglichst wenig!“

Ich: „Das kann ich.“

Tanja: „Nichts aus den Regalen nehmen!“

Ich: „Warum?“

Tanja: „Weil du nie was zurück legst.“

Pünktlich um 12 stand Maria Jesus in meiner Tür.

Ich bemühte mich, still zu sitzen und verfolgte ein geliebtes, wenn auch ein in letzter Zeit vernachlässigtes Hobby: anderen bei der Arbeit zugucken.

In kürzester Zeit blitze und blinkte alles um mich herum. Selbst bei meinem Einzug vor 4 Jahren war es nicht so sauber gewesen. Kaum war Maria Jesus wieder weg, stürmte Tina an mir vorbei in die Wohnung

Tanja: „Oh Scheiße! Du, die hat dich beklaut!“

Ich: „Was?“

Tanja: „Das ist so leer hier!“

Ich: „Es ist aufgeräumt.“

Tanja: „War deine Wohnung schon immer so groß? Ich glaube es hallt hier drinnen sogar (gar, ar ,ar).“

Ich: „Sehr witzig!“

Tanja: „Komm, wir trinken erst mal was!“

Ich: „Gerne, ich weiß nur nicht, wo meine Gläser sind. Die waren da, gestapelt in der Ecke auf dem Tisch, und jetzt sind sie weg zusammen mit dem Pizzateller.“

Tanja: „Du meinst so einen extra großen Teller für Pizza?“

Ich: „Ich meine den Teller, auf dem ich immer Pizza esse, ist doch Schwachsinn sowas abzuwaschen.“

Tanja: „Erinnere mich bitte daran, in Zukunft mein eigenes Geschirr mitzunehmen, Bier kann man ja auch aus der Flasche trinken. Ich hab dir noch was mitgebracht.“

Tina zauberte ein in Folie verschweißtes Blatt aus ihrer Tasche.

Ich: „Ein Putzplan?“

Tanja: „Ja! Damit es hier auch so sauber bleibt.“

 

Drei Tage später schickte ich Tina ein Bild von meinem Wohnzimmer. Ein Sturm hatte mein Wohnzimmerfenster eingeschlagen. Überall lagen Scherben und Dreck.

Ich schrieb nur einen Satz unter das Bild:

„Putzen lohnt sich nicht!“

 

 

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